wahl16

Mangelhafte Recherche zu Vorwürfen

Bundespräsidentschaftskandidat Hofer sagte in der ORF Zeit im Bild am Mittwoch:

Ich habe Israel am Höhepunkt der Kämpfe besucht. [Anm. Juli 2014] Und ich habe dort auch Fürchterliches erlebt. Ich bin mitten in einen Terrorakt hinein gekommen. Neben mir wurde eine Frau erschossen.

In der moderierten Sendung „Wahl 16“ bringt der ORF als Einspielung ein spontanes Interview mit dem israelischen Polizeisprecher zu diesem Vorfall:

Ende Juli 2014 gab es keinerlei Zwischenfall oder Angriff auf dem Tempelberg, definitiv nicht mit Granaten, definitiv nicht mit irgendwelchen Waffen. Es wurde keine Frau in Jerusalem Ende Juli 2014 getötet, soweit wir das wissen, kein Terrorangriff in der Altstadt, wir können das nicht bestätigen.

Hofer versucht sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen – er war nachprüfbar mit zwei Stadträten, einem Mitarbeiter und einem Guide vor Ort die das bezeugen können und hat sogar Bildmaterial in die Sendung mitgebracht – scheitert aber an der Vorverurteilung von Ingrid Thurnher:

Wir haben versucht das zu klären.. ahm.. wir werden das Interview mit dem Polizeisprecher auch ins Internet stellen. Da kann sichs jeder anschauen. Wir haben nur versucht einen Sachverhalt aufzuklären. Wir können das hier nicht aufklären, also lassen wirs so stehen. Ganz einfach. Es gibt dazu halt unterschiedliche Wahrnehmungen dazu.

Noch während der Sendung gelingt es vielen Zusehern und anderen Medien aber mühelos den erwähnten Vorfall (wenn auch in geschwächter Form: „nur“ Beinschuss, keine Granaten/Maschinengewehre) im Internet zu recherchieren:

“Polizei schießt an der Klagemauer auf eine Frau, die Warnungen anzuhalten, nicht befolgt“ (Jerusalem Post, Juli 2014)

Selbst Armin Wolf muss in der darauf folgenden Zeit im Bild zugeben:

Mittlerweile konnten wir auch herausfinden was da tatsächlich passiert ist. Es wurde tatsächlich – nicht am Tempelberg sondern vor der Klagemauer unter dem Tempelberg – eine Frau von der israelischen Polizei angeschossen weil sie sich nicht aufhalten ließ und identifizieren hat lassen.

 

Wenn es vielen Menschen problemlos während der Sendung gelingt die Fakten zu prüfen – warum konnte der ORF das nicht machen bevor er derartige Vorwürfe bei der letzte Livesendung vor der Wahl erhebt und aber gar nicht weiter darüber diskutieren will?

 

Nachtrag 20.05.2016 – ORF, Zeit im Bild 19:30 Uhr:

[..] Wir stehen nicht an, zu erklären, dass uns bis dahin israelische Zeitungsberichte nicht bekannt waren, wonach es tatsächlich einen ähnlichen Zwischenfall gegeben hat, auch wenn er sich mit der Erinnerung Hofers nicht ganz deckt und daher auch in den Archiven schwerlich zu finden war. [..] Auch wenn Israels Polizei diesen Vorfall nicht als Terroranschlag sieht, ist doch nachvollziehbar dass bei Absperrungen und Schüssen diese Wahrnehmung entstehen kann.

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  1. By Rosalinde Haller

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